Bahr: Unser Event-Modell entwickelte sich zu einem Problem. So haben wir es wieder hingebogen:

12. März 2018 | 4 Min. Lesezeit

Von Michael Bahr, geschäftsführender Teilhaber von Desert Sky Games and Comics

Wir haben festgestellt, dass wir immer mehr Events als finanziellen Verlust für den Store verbuchen mussten.

Bei uns gab es pro Sieg eine Boosterpackung und eine für die Teilnahme. Die Gebühren hatten wir so festgelegt, dass sie unsere Ausgaben deckten, außer bei Events mit ungewöhnlichen Rundenzahlen mit einer ungeraden Anzahl an Spielern – da Byes als Siege zählten, bedeuteten ungerade Zahlen weniger Einnahmen bei gleichen Kosten.

Stellen Sie sich vor, wie überrascht wir waren, als wir feststellen mussten, dass ungerade Teilnehmerzahlen weitaus häufiger vorkamen – aber nur in Constructed-Events. Das ergab, statistisch gesehen, keinen Sinn. Wir wussten, dass irgendetwas falsch lief. Aber was?

Um Ihre Events auf die richtige Weise zu planen, sollten Sie den Ablauf so wenig wie möglich verändern. Doch auch wenn Ihr Modell dasselbe bleibt, kann sich das Verhalten Ihrer Spieler im Laufe der Zeit ändern. Was passiert, wenn Sie ein ernstes Problem entdecken?

Wenn ich „ernstes Problem“ sage, dann meine ich nicht, dass ein anderer Store um die Ecke zur selben Zeit ein Event veranstaltet. Ich meine damit ein grundlegendes Problem mit Ihrem Event-Modell. Ich meine zum Beispiel „wir überziehen 90 Minuten und müssen den Mitarbeitern Überstunden bezahlen“. Oder „wir haben mehr Preise vergeben als erwartet und dadurch Geld verloren“.

Genau das ist bei uns passiert, nachdem wir mit unserem Store von Gilbert nach Chandler umgezogen sind. So haben wir das Problem behoben:

1) Wir haben genau die Abläufe beim OP überprüft, um zu wissen, was mit dem Geld passiert und was unterm Strich davon übrig bleibt. So haben wir erst herausgefunden, dass Anpassungen notwendig waren.

2) Wir haben eine Lösung gesucht, die eine gute Spielerfahrung bietet und dem Store zugutekommt. Das Modell zu ändern, kann womöglich Stammspieler vergraulen, aber spielt das überhaupt eine Rolle, wenn Sie rote Zahlen schreiben?

3) Wir haben unsere Lösung entschlossen umgesetzt. Jede Veränderung kann zu Beschwerden führen. Schrecken Sie jedoch nicht davor zurück, wenn Sie Ihr Geschäftsmodell schützen müssen.

Folgendes ist passiert:

Der Linux-Erfinder Linus Torvalds sagte einmal, dass mit genügend Augen alle Programmfehler zu entdecken seien. Anders gesagt: Je mehr Leute mit Ihrem System interagieren, desto schneller kommen dessen Probleme ans Tageslicht. Mit einer größeren Ladenfläche kamen mehr Spieler und die Fehler in unserem System wurden schnell offensichtlich.

Ein paar Spieler haben das ausgenutzt. Bei einer ungeraden Teilnehmerzahl konnten sie Byes erhalten. Mit einem Bye für Runde 1 konnten sie sofort aussteigen und zwei Boosterpackungen einkassieren. Sie warteten also bei gerader Teilnehmerzahl bis kurz vor Anmeldeschluss und meldeten sich in der Hoffnung auf ein Bye im letzten Moment an.

Einige Spieler kämpfen auch um das letzte Prozent des Erwartungswertes. Das ist ihr gutes Recht. Aus Sicht des Stores war das kein großes Problem – bei einem einzelnen Event. Doch als wir Woche für Woche sahen, wie sich dieses Szenario wiederholte, wurde uns klar, dass Kleinvieh auch Mist macht …

Letztendlich mussten wir verschiedene Preisstrukturen für jeden Event-Typ einführen.

Wie sich herausstellte, trat dieses Problem nur bei Constructed-Events auf, da wir uns große Mühe gaben, ungerade Teilnehmerzahlen in Draft-Pods zu verhindern. Drafts blieben daher unverändert: eine Boosterpackung für die Teilnahme und eine für jedes gewonnene Match.

Bei Casual-Events gibt es eine Boosterpackung ab dem ersten Sieg (aber nicht für ein Runde-1-Bye) und mehr Booster für aufeinanderfolgende Siege. Bei kompetitiven Events haben wir Booster pro Sieg komplett abgeschafft und auf Store-Gutschriften als Preise für alle Spieler umgestellt, die 3–1 oder 4–0 spielen.

Dank dieser Lösung bleiben Casual-Events entspannt und kompetitive Events interessant für kompetitive Spieler, und der Store macht Gewinn. Damit sind wir bei Punkt 3: eine entschlossene Umsetzung.

Mehrere Preisstrukturen machen alles komplizierter und müssen klar kommuniziert werden.

Wir kündigten die Änderung auf allen Kanälen kurz vor ihrem Inkrafttreten gleichzeitig an. Die persönliche Kommunikation war nicht ganz so einfach. Wir mussten den Casual-Spielern versichern, dass ihre Events nicht dahingehend geändert werden, dass der Sieger alles bekommt. Die kompetitiven Spieler akzeptierten die Anpassung ohne Weiteres, denn sie haben für gewöhnlich kein Problem mit einer steilen Preishierarchie.

Wir verbuchen weiterhin gute Teilnehmerzahlen und sehen immer noch neue Gesichter. Und falls ein weiteres Problem auftritt, lösen wir es auf die gleiche Weise: Wir finden heraus, was vor sich geht, finden eine Antwort, die auch für die Spieler in Ordnung ist, und setzen sie entschlossen um.

Michael Bahr ist geschäftsführender Teilhaber von Desert Sky Games and Comics in Chandler, Arizona. Er fungierte vier Jahre lang als Level 3 Judge, hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften von der Arizona State und arbeitete sieben Jahre lang im staatlichen Gesundheitsministerium.

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